Geschichte – 900 Jahre Lieg

Eigentlich weitaus älter, was entsprechende Funde (z. B. Klingen aus Feuerstein, geschliffene Beile und andere steinzeitliche Werkzeuge) aus paläolithischer Zeit belegen, wurde unser Heimatort Lieg erstmals im Jahre 1106 urkundlich erwähnt.

Wie dieser Urkunde zu entnehmen ist, „wohnte einstmals zu Meinscozen“, dem heutigen Mayschoss an der Ahr, „ein sehr begüteter und angesehener Ministerial“ des Grafen von Saffenberg. Mit Ministerial wurde ein in kaiserlichem Dienst stehender Beamter und Angehöriger des sogenannten Dienst- und Ministerialadels betitelt.

Dieser Ministerial namens Embrico hatte seine Geliebte und spätere Ehefrau Adeleide, die einem edlen Geschlecht entstammte, als Nonne aus einem Kloster entführt. Adeleide wurde daraufhin von ihren „Aeltern“ weitestgehend bis auf einen „halben Mansus zu Lich“ (kleiner Hof in der Nähe des heutigen Ortes Lieg) enterbt. Danach hatte Embrico sich, seine Frau und Kinder sowie alle Besitztümer mit Genehmigung des Grafen an das Kloster Rolduc in Holland übergeben.

Eine Kapelle in „Licha“ ist schon 1220 im Verzeichnis der erzbischöflichen Rechte aufgeführt (MRUB 11, S. 428), ebenfalls erscheint „Leich“ 1475 im Visitationsprotokoll des Archidiakonats Karden. Um 1300 zahlte Sybodo von Gondorf Pacht aus liegenschaftlichem Grundbesitz an das Stift in Münstermaifeld (MRR IV, 3124). 1442 erbte Friedrich von Pyrmont einen Hof in Lieg von seinem Vater. Einen weiteren Hof besaßen die Herren von Brohl. Dieser ging nach deren Aussterben an die Herren von Braunsberg (CDRM IV, 368) über.

All dies fiel in die neue zivilisatorische Epoche, die nach der Eroberung Galliens bis zum Rhein durch römische Truppen unter dem berühmten Gaius Julius Caesar begann. Es erfolgte nach fast 500 Jahren römischer Kultur und Herrschaft die fränkische Landnahme, denn Rom konnte den massiven Anstürmen der Germanen nicht mehr standhalten. Überall bröckelte es an den Grenzen.

Viele Herrschaften wie Kurtrier, die Waldecker, Sponheimer oder auch die Gryns von Trys (Treis) prägten die weitere Geschichte und Abhängigkeiten von Lieg. Später folgten die Truppen der Französischen Revolution und auch Napoleon, der von den Preußen vernichtend geschlagen wurde. Sie wurden die neuen „Regenten“ nicht nur im Rheinland.

Bitter waren für Lieg auch die Folgen der beiden Weltkriege. Nicht zuletzt war der Ort nach dem 2. Weltkrieg zu mehr als 70 Prozent zerstört.

Heute ist unser schönes Hunsrückdorf Lieg eingebettet in eine waldreiche Gegend. Es liegt zwischen dem Dünn- und Lützbachtal in der Verbandsgemeinde Cochem im Landkreis Cochem-Zell. Unmittelbar am Radwanderweg Mosel – Hunsrück gelegen, lädt es auch auf gut ausgebauten Wanderwegen zu einem erholsamen Abschalten vom Alltag ein.

Seinen Besuchern stellt sich Lieg als ein moderner, schmucker Ort mit zurzeit 414 Einwohnern dar. Aufgrund der gut erhaltenen Bausubstanz vieler Häuser im eigentlichen Ortskern, wurden gerade hier enorme Anstrengungen der Besitzer unternommen, altes Fachwerk wieder freizulegen sowie erstklassige und hochwertige Renovierungen durchzuführen. Dies verleiht dem Dorf zusätzliches Flair. Des Weiteren bieten herrlich gelegene Bauplätze eine günstige Alternative zum Leben in der Stadt oder in Ballungszentren.

Lieg verfügt über einen Kindergarten und die Wendelinus-Grundschule mit Kleinspielfeld und Kinderspielplatz. Darüber hinaus sind wir stolz auf die im Jahre 1989 erbaute Hunsrückhalle und das 1999 errichtete Dorfgemeinschaftshaus mit integriertem Jugendraum am Sportplatz.

Zudem gibt es ein reichhaltiges Angebot an Freizeitaktivitäten. Das kulturelle Leben wird hauptsächlich geprägt durch eine umfangreiche Vereinswelt. Hier beheimatet sind die weit bekannten Hunsrückmusikanten (gegründet 1964), die als Stimmungsgarant und musikalischer Botschafter der Gemeinde gelten. Dem Chorgesang frönt der im Jahre 2007 neu gegründete „Männerchor Heimatklang Lieg“. Mehrere Abteilungen unterhält der Sportverein (gegründet 1977), der zwar nicht mehr auf dem Fußballsektor agiert, aber dafür das Damenturnen, die Wirbelsäulengymnastik für Männer und eine Kindertanzgruppe ins Leben gerufen hat. Gut ausgebildet ist die starke Einsatztruppe der Freiwilligen Feuerwehr (gegründet 1946). Darüber hinaus sind viele Damen des Dorfes seit langem eingebunden in die Frauengemeinschaft.

Ein besonderes Anliegen der Vereine besteht darin, den Fortbestand und die Brauchtumspflege zu gewährleisten. Dies geschieht jeweils durch eine hervorragende Integration und Ausbildung von Jugendlichen, welche auch eigenständig Veranstaltungen durchführen und gut organisiert den speziell für sie errichteten Jugendraum führen.

So herrscht in Lieg ein starker Gemeinschaftsgedanke und viel Gastfreundschaft, gestärkt durch ein gutes Miteinander fröhlicher und geselliger Menschen. Und wer uns hier einmal besucht und findet, der findet uns bestimmt gut und wird immer wieder gerne zurückkommen. Mit Stolz tragen wir unseren Leitspruch im Herzen, den wir überall und jedem kundtun:

„Mia säin un mia bläiwe alles echte Leja!“

(Geschichtliche Quelle: Chronik Lieg 2007)

 

Berichte über Lieg aus der Pies-Cronik